12.04.–24.05.2024
Cyril Tyrone Hübscher

Exhibition View
Wonky Tree (b,c,d), 2024, Polyurethan Giessharz, Heissleim

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Untitled (boulder), 2024 Styropor, Epoxydharz, Glitzer, Plexiglas, Alu-Tape, Bürotisch



Gingerbread House, 2024, Öl und Sprühfarbe auf Leinwand

Untitled (landscape), 2024, Öl auf MDF

Untitled (landscape), 2024, Öl auf MDF

Black Painting (a), 2024, Lack auf Leinwand

Black Painting (b), 2024, Lack auf Leinwand

Trippy Trees, 2024, Laser-Druck auf Fotopapier, Leim
Trippy Trees (Invitation), 2024, Laser-Druck, Collage auf Fotopapier, Leim, Glitzerleim

Less Trippy Trees, 2024, Laser-Druck auf Fotopapier, Leim

Wild Woods (a), 2023, Öl, Pailletten und Leim auf Papier, A5, Graukartonrahmen
Wild Woods (b), 2023, Öl, Pailletten und Leim auf Papier, A5, Graukartonrahmen
Wild Woods (c), 2023, Öl, Pailletten, Glitzer und Leim auf Papier, A5, Graukartonrahmen

Wild Woods (d), 2024, Öl, Glitzer und Leim auf Papier, A5, Graukartonrahmen

Untitled (drawing), 2024, Bleistift und Öl auf Papier, A3, Alurahmen mit Museumsglas, Fotoecken

Wonky Tree (b,d), 2024 Polyurethan Giessharz, Heissleim
Stools To Use, 2024 Sprühfarbe, Epoxydharz auf Ikea-Hocker, oder nur Ikea-Hocker

Let Your Hair Down, 2024, 3D-Druck, Extensions, Tape, Sprühfarbe Ikea-Hocker
Wonky Tree (c), 2024, Polyurethan Giessharz, Heissleim

Let Your Hair Down, 2024, 3D-Druck, Extensions, Tape, Sprühfarbe Ikea-Hocker

Wonky Tree (a), 2024, Polyurethan Giessharz, Heissleim
Wild Woods White Walls
Ich stelle meine Schuhe zur Seite und drücke die Zehen, deren Nägel ich am Morgen noch geschnitten und für den Abend schon lackiert habe, neben Wurzeln, Würmern und anderen Dingen, die ich nicht sehen kann, vorsichtig, aber immer weiter in diesen feuchtwarmen Boden hinein, für den Halt, den ich brauche, um das noch unbeschriebene Blatt an diesen Stamm zu drücken. Aber bevor ich meinen Stift aus der Brusttasche ziehe, damit ich mir die Stellen notieren kann, an denen ich bereits gesucht habe, wische ich mir den Dreck von den Fingern, damit das Papier, das einmal von Bedeutung sein könnte, in seiner Reinheit erhalten bleibt.
Die Anspannung, die ich, zugegebenermaßen, bei dem Vorhaben verspüre, das Rätsel endlich zu entschlüsseln, lässt mich vor Angst erschrecken, als ich ein Krabbeln von den Füßen auf zur Wade spüre und, zu meiner Überraschung, kurz darauf verzweifeln, nachdem ich realisiere, dass ich diesem Tier, das ich entdecke, nur ein vollkommen gleichgültiger Gegenstand bin. Der seltsame Schrei eines ansonsten schweigsamen Geiers kommt, mit Verlaub, eigentlich von mir selbst. Und der zu einem Rinnsal springende Frosch, von dem ich, auf allen vieren und, wie ich zur Kenntnis nehmen muss, auch ohne Hose, das Geheimnis zu küssen suche, bleibt bloß ein Frosch.
Die mich delirieren, aber in der Hauptsache lachen machende Trauer, die mit dem Eingeständnis einhergeht, dass sich das Gesuchte, was mich auf dem Weg von Einem zum Anderen hat irre gehen lassen, in diesem Wald gar nicht finden lässt, weiht mich an den Rändern der Pfütze, in der ich mir die Arbeit dieses aussichtlosen Tages von den Händen wasche, zu einer mit Taufrecht geheiligten Nymphe. Und tatsächlich habe ich, dieses unwiderstehliche Wesen, den sakralen Ort während der gesamten Dauer meines Amtes behütet, mich dem irdischen Auge, in Wendungen, die dem Aufblühen einer Rose zum Verwechseln ähneln, entzogen und nur den meinem Paradies Geweihten aus luftiger Höhe die Einladung ausgesungen, sie in meinen seligen Schoß zu schließen. Mit einem Nekrolog verewige ich mich in seinen schlammigen Ufern und mache mich wieder auf den Weg: »Über 900 Jahre wachte diese Gottheit hier«.
Dass sich dann die eigenen vier strahlend weißen Wände des Geistes wieder aufrichten, wenn ich, mit etwas Abstand, die Arme hinter dem Rücken verschränke und unter anderen Emeritierten von dieser sibyllinischen Zeit doziere, heißt nicht, dass sich das, was sich jenseits dieser Zuflucht bietenden Stätte abspielt, nicht auch wieder vor Augen führen lässt. Die durch den Zusammenbruch eines der Gelehrten bedingte Unterbrechung der Rede nutzte ich, mich den Konstruktionszeichnungen des Ältesten anzunehmen, die ich ihm in dieser übergangsweise herrschenden Unordnung geklaut habe: Am Extrempunkt seiner Bewegung, das heißt dann, wenn der Geist, verbotenerweise, zu weit gegangen ist und sich in einem Fieber selbst gegenübersteht, aber nicht mehr erkennt, lässt sich, mit dem Kopf voran, wie eine entfesselte Ziege, das Werk einrennen, das er eben noch bis in den Himmel hat ragen lassen. Aber dass er, diese Art Tier, bis zu seiner Auferstehung, unschuldig, wie ein lebhaftes Kaninchen, sich dann ganz seinen Artverwandten hingibt, heißt auch, dass er die Lösung des Rätsels vorerst nicht zu Papier bringen kann.
Text: Nils Fock
Nils Fock promoviert an der HfG Offenbach bei Juliane Rebentisch und Christoph Menke über Georges Batailles Begriff der »Bestreitung«.
Mit freundlicher Unterstützung von/Kindly supported by:
Pro Helvetia | Kultur Stadt Bern | Swisslos Lotteriefonds Kanton Bern | Burgergemeinde Bern | Ernst Göhner Stiftung | Temperatio | GVB Kulturstiftung
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12.04.–24.05.2024
Cyril Tyrone Hübscher

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Wonky Tree (b,c,d), 2024, Polyurethan Giessharz, Heissleim

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Untitled (boulder), 2024 Styropor, Epoxydharz, Glitzer, Plexiglas, Alu-Tape, Bürotisch



Gingerbread House, 2024, Öl und Sprühfarbe auf Leinwand

Untitled (landscape), 2024, Öl auf MDF

Untitled (landscape), 2024, Öl auf MDF

Black Painting (a), 2024, Lack auf Leinwand

Black Painting (b), 2024, Lack auf Leinwand

Trippy Trees, 2024, Laser-Druck auf Fotopapier, Leim
Trippy Trees (Invitation), 2024, Laser-Druck, Collage auf Fotopapier, Leim, Glitzerleim

Less Trippy Trees, 2024, Laser-Druck auf Fotopapier, Leim

Wild Woods (a), 2023, Öl, Pailletten und Leim auf Papier, A5, Graukartonrahmen
Wild Woods (b), 2023, Öl, Pailletten und Leim auf Papier, A5, Graukartonrahmen
Wild Woods (c), 2023, Öl, Pailletten, Glitzer und Leim auf Papier, A5, Graukartonrahmen

Wild Woods (d), 2024, Öl, Glitzer und Leim auf Papier, A5, Graukartonrahmen

Untitled (drawing), 2024, Bleistift und Öl auf Papier, A3, Alurahmen mit Museumsglas, Fotoecken

Wonky Tree (b,d), 2024 Polyurethan Giessharz, Heissleim
Stools To Use, 2024 Sprühfarbe, Epoxydharz auf Ikea-Hocker, oder nur Ikea-Hocker

Let Your Hair Down, 2024, 3D-Druck, Extensions, Tape, Sprühfarbe Ikea-Hocker
Wonky Tree (c), 2024, Polyurethan Giessharz, Heissleim

Let Your Hair Down, 2024, 3D-Druck, Extensions, Tape, Sprühfarbe Ikea-Hocker

Wonky Tree (a), 2024, Polyurethan Giessharz, Heissleim
Wild Woods White Walls
Ich stelle meine Schuhe zur Seite und drücke die Zehen, deren Nägel ich am Morgen noch geschnitten und für den Abend schon lackiert habe, neben Wurzeln, Würmern und anderen Dingen, die ich nicht sehen kann, vorsichtig, aber immer weiter in diesen feuchtwarmen Boden hinein, für den Halt, den ich brauche, um das noch unbeschriebene Blatt an diesen Stamm zu drücken. Aber bevor ich meinen Stift aus der Brusttasche ziehe, damit ich mir die Stellen notieren kann, an denen ich bereits gesucht habe, wische ich mir den Dreck von den Fingern, damit das Papier, das einmal von Bedeutung sein könnte, in seiner Reinheit erhalten bleibt.
Die Anspannung, die ich, zugegebenermaßen, bei dem Vorhaben verspüre, das Rätsel endlich zu entschlüsseln, lässt mich vor Angst erschrecken, als ich ein Krabbeln von den Füßen auf zur Wade spüre und, zu meiner Überraschung, kurz darauf verzweifeln, nachdem ich realisiere, dass ich diesem Tier, das ich entdecke, nur ein vollkommen gleichgültiger Gegenstand bin. Der seltsame Schrei eines ansonsten schweigsamen Geiers kommt, mit Verlaub, eigentlich von mir selbst. Und der zu einem Rinnsal springende Frosch, von dem ich, auf allen vieren und, wie ich zur Kenntnis nehmen muss, auch ohne Hose, das Geheimnis zu küssen suche, bleibt bloß ein Frosch.
Die mich delirieren, aber in der Hauptsache lachen machende Trauer, die mit dem Eingeständnis einhergeht, dass sich das Gesuchte, was mich auf dem Weg von Einem zum Anderen hat irre gehen lassen, in diesem Wald gar nicht finden lässt, weiht mich an den Rändern der Pfütze, in der ich mir die Arbeit dieses aussichtlosen Tages von den Händen wasche, zu einer mit Taufrecht geheiligten Nymphe. Und tatsächlich habe ich, dieses unwiderstehliche Wesen, den sakralen Ort während der gesamten Dauer meines Amtes behütet, mich dem irdischen Auge, in Wendungen, die dem Aufblühen einer Rose zum Verwechseln ähneln, entzogen und nur den meinem Paradies Geweihten aus luftiger Höhe die Einladung ausgesungen, sie in meinen seligen Schoß zu schließen. Mit einem Nekrolog verewige ich mich in seinen schlammigen Ufern und mache mich wieder auf den Weg: »Über 900 Jahre wachte diese Gottheit hier«.
Dass sich dann die eigenen vier strahlend weißen Wände des Geistes wieder aufrichten, wenn ich, mit etwas Abstand, die Arme hinter dem Rücken verschränke und unter anderen Emeritierten von dieser sibyllinischen Zeit doziere, heißt nicht, dass sich das, was sich jenseits dieser Zuflucht bietenden Stätte abspielt, nicht auch wieder vor Augen führen lässt. Die durch den Zusammenbruch eines der Gelehrten bedingte Unterbrechung der Rede nutzte ich, mich den Konstruktionszeichnungen des Ältesten anzunehmen, die ich ihm in dieser übergangsweise herrschenden Unordnung geklaut habe: Am Extrempunkt seiner Bewegung, das heißt dann, wenn der Geist, verbotenerweise, zu weit gegangen ist und sich in einem Fieber selbst gegenübersteht, aber nicht mehr erkennt, lässt sich, mit dem Kopf voran, wie eine entfesselte Ziege, das Werk einrennen, das er eben noch bis in den Himmel hat ragen lassen. Aber dass er, diese Art Tier, bis zu seiner Auferstehung, unschuldig, wie ein lebhaftes Kaninchen, sich dann ganz seinen Artverwandten hingibt, heißt auch, dass er die Lösung des Rätsels vorerst nicht zu Papier bringen kann.
Text: Nils Fock
Nils Fock promoviert an der HfG Offenbach bei Juliane Rebentisch und Christoph Menke über Georges Batailles Begriff der »Bestreitung«.
Mit freundlicher Unterstützung von/Kindly supported by:
Pro Helvetia | Kultur Stadt Bern | Swisslos Lotteriefonds Kanton Bern | Burgergemeinde Bern | Ernst Göhner Stiftung | Temperatio | GVB Kulturstiftung
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